Wenn auch Sie Silvester einsam sind…

Silvester ist ein bisschen wie Sterben. Ich saß mit einer Frau in einem Café. Und sie weinte leise. Neujahr würde jetzt wieder kommen und damit im Fernsehen das Neujahrskonzert aus Wien mit dem Radetzky-Marsch. Und sie würde wieder im Sessel davor sitzen und weinen. Wie immer. Und sie würde wieder nicht wissen, warum eigentlich. Der Abschied vom alten Jahr wog in ihrem Herzen offenbar mehr als die Chance des Neuanfangs. Irgend etwas zog sie nach hinten oder unten. Nur was?

Da machten wir uns auf die Suche und bestellten und als erstes zwei Tassen warmen Kakao mit Sahne und ein paar Weihnachtskekse. Und erst dann ging es ans Eingemachte der Seele. Wir würden sie uns wie bei einer Zwiebel Schicht für Schicht vornehmen müssen, um auf den Grund der Trauer zu schauen.

Warum tat ihr der Abschied so weh? Es könnte natürlich daran liegen, dass Silvester ihr Geburtstag ist. Es gibt viele Menschen, die diesem Tag ausweichen, weil sie nicht spüren und erfahren wollen, dass das Leben unwiederbringlich vorbeigeht. Kann sein?!

Und es kam hinzu, dass sie ihren Geburtstag, so lang sie erwachsen war, alleine hatte feiern müssen. Ihre Kinder stürzten an diesem Tag immer aus dem Haus. Irgendwo gab es immer eine Fete. Und Mutter blieb wieder alleine.

„Und Ihr Mann?“ fragte ich vorsichtig nach. Da seufzte sie. Und ich wusste mit einem Mal, dass meine Ahnungen stimmten. Er lebte zwar noch mit ihr, aber er war nicht mehr an ihrer Seite. Mitten im Leben hatten die beiden schon alleHoffnung begraben, sich noch einmal lieben zu können. Aber Trennung kam nicht in Frage. Abschied tat schon so weh. Wie weh würde erst eine Trennung tun, die man selber herbeiführen müsste?

Und dann tauchte am Neujahrstag auf einmal ihr verstorbener Bruder auf. Der hatte sie gefragt, ob er beruflich nach Hamburg oder München ziehen sollte. Und sie hatte Hamburg gesagt. Kaum dass er ein paar Tage dort war, starb er bei einem Unfall.

All die Trauer und die nicht gelebten Abschiede versteckte sie zwölf Monate unter dem Mantel ihrer Aktivität und Vitalität. Aber am Neujahrsmorgen beim flotten Radetzky-Marsch brach sie zusammen. Sie trug zu schwer. Sie konnte der Musik nicht folgen. Esklopften die dunklen Gesellen bei ihr an und wollten endlich anerkannt werden.

„Also lassen Sie sie doch in Ihr Herz herein: den verstorbenen Bruder, aber auch Ihre fernen Kinder und Ihren einsamen Mann! Sie nehmen ein paar kleine Püppchen am Neujahrstag in Ihre Kostümtasche und setzen sich mit ihnen vor den Fernsehschirm. Und wenn der Radetzky-Marsch kommt, nehmen Sie sie heimlich in die Hand. Da sind sie alle geborgen. Und Sie mit.“







Der Duft des Himmels

Niemand weiß, wer diese Frau war. Eine unbekannte, namenlose Frau, die Jesus zum „Messias“, zum Gesalbten, zu einem Gottesmann, zu einem König und Propheten machte. Sie hatte ihm alles gegeben, was sie hatte: ihre Liebe und ihre Zuneigung, und sie kniete vor ihm nieder und salbte ihm die Füße mit duftendem Öl der Narde. Die Menschen, die um die beiden herumstanden, bekamen die tiefe Bedeutung dieser Handlung gar nicht mit. Sie beschwerten sich nur über ihre Verschwendung und ihre Taktlosigkeit. Solch ein kostbares Öl und eine so vertraute Geste! Nur einer schwieg erst mal: Jesus! Er wusste, was sie tat: Sie salbte ihn. Sie salbte ihn und gab ihm alles, was sie hatte. Durch die Hände dieser Frau, die sich einem für sie wildfremden Mann vor die Füße warf, wurde der unbequeme Heiler und Prediger zum Heiland der Welt. Und als er weiterging mit seinen Jüngern, hing der Duft des Himmels in der Luft.


Bis wir uns wieder sehen

Was ist richtig? Sollte ein kleines Kind mit zur Beerdigung seiner geliebten Großmutter gehen? Oder soll es zu Hause bleiben? Und muss es denn eigentlich beten, wenn die Urne unter der Erde verschwindet? So ein „Vater unser“ ist hilfreich und mit ein paar Worten zuvor vielleicht auch dem Knirps schon zu erklären.

Der Kleine soll mit auf den Friedhof. Mit seinen paar Lebensjahren wird er noch nicht verstehen können, dass seine liebe große Großmutter in dem kleinen Urnengefäß sein soll, das da jetzt in der Erde versteckt wird. Für den Kleinen liegt sie nicht unter der Erde. Sie ist eher verschwunden, so wie ein Spielzeug verschwindet, das doch irgendwo noch weiter da ist. Es ist unsichtbar geworden. Der Tag wird schon kommen, wo man sich wieder sieht. Keine Angst, Mama, keine Angst, Papa!

Archiv mit Flieges kleinen Predigten


Drei Freunde in der Not

„Ich kann nicht mehr“ – „Ich will, dass es aufhört…“ – „Alles ist mir zu viel!“ Ich kann gut verstehen, wenn Sie so reden. Irgendwann hat jeder das Gefühl: Jetzt ist Schluss, ich kann nicht mehr. Egal, ob man krank ist, ob man arm ist, alt oder schwach. Anfangs kämpfen wir vielleicht noch. Und irgendwann ist es vielleicht einfach zu viel. Und man will aufgeben. Ich möchte Sie an etwas Wichtiges erinnern. Sie haben Freunde: Ihren Körper, Ihren Geist, Ihre Seele. Und wenn einer von diesen Freunden aufgibt, dann springt der andere dafür ein. Wenn Sie verzweifelt sind, brauchen Sie Hilfe. Einer der Freunde springt für den anderen ein. Und dann sagt vielleicht die Seele zum Körper: Vertrau mir, ich pass auf uns auf! Spüren Sie es schon?



Irren ist menschlich

Ein Sprichwort geht mir durch den Kopf. Sie kennen es: „Irren ist menschlich.“ Aber ob das Sprichwort tröstet, oder es verletzt, das liegt immer an dem, der es sagt. Wenn ich selbst einen Fehler gemacht habe, ist der Satz keine Entschuldigung. Wenn ich zum Beispiel morgens nicht rechtzeitig zu meinem Besprechungstermin gekommen bin, weil ich nicht richtig in meinen Terminkalender geschaut habe, dann ist die Aussage „irren ist menschlich“ nur eine dumme Ausrede. Wenn aber einer von denen, die da ungeduldig eine Stunde auf mich gewartet haben, mir einen Kaffee bringt und sagt: „Irren ist menschlich“ – dann wir d es plötzlich ganz warm – und wirklich menschlich bei uns. Ich wünsche Ihnen, dass Sie gleich morgen solche Menschlichkeit auch erleben. Passen Sie gut auf sich auf!


Ein Souvenir kann trösten

Wenn man sich fürchtet, weil man von einem liebgewonnenen Menschen Abschied nehmen muss, dann hilft nur eins: Man gibt dem anderen Menschen etwas mit von sich selbst, etwas, das man liebgewonnen hat. Und von dem, der geht, können Sie sich ebenfalls ein „Souvenir“ wünschen: Es ist ein Teil von ihm, den er Ihnen lässt. Und das tragen Sie mit sich mit, Sie können es in der Hand halten, es anschauen und ertasten. Und jedes erneute Spüren macht Ihnen wieder bewusst: Ich bin nicht allein. Es gibt ein Wort, das mich begleitet und das heißt: Ich habe dich lieb.


Welchen Auftrag gaben Ihnen Ihre Eltern?

Welchen Auftrag haben Ihre Eltern Ihnen eigentlich mit Ihrem Vornamen mitgegeben? Sollen Sie unauffällig bleiben, gab man Ihnen einen bescheidenen Namen oder einen stolzen, hochtrabenden? Wünschte man sich von Ihnen Frommsein und Treue? Heißen Sie Pius oder Maria? Ich bin einer Frau begegnet, die Regina heißt. Sie erzählte mir von ihrer Kindheit im Heim, von ihrer Mutter, die sie nicht bei sich behalten konnte, weil sie mit 15 schon schwanger wurde und sehr krank war. Ein Vater, der sich nicht um das Mädchen kümmerte. Und doch, das Baby bekam eine große Mitgift. So nannte die junge Mutter ihr Kind: Regina – die Königin. Das heißt, Kind, lass dich nicht unterkriegen und herrsche in deinem eigenen Reich. Regina hat es geschafft. Und wenn der Auftrag für ein kleines Mädchen auch sehr groß war und sie oft daran zu verzweifeln drohte, heute ist Regina eine stolze Frau, die gerade ihr Studium der Medizin abgeschlossen hat und anderen Menschen helfen wird. Haben Sie sich über den Auftrag Ihrer Eltern Gedanken gemacht, den sie mit Ihrem Namen in Ihre Wiege legten? Es ist noch nicht zu spät, darüber nachzudenken. Bekanntlich gilt: nomen est omen.


Wir sind nicht alleine!

Es gibt eine Erfahrung, die nur ganz wenige Menschen uns anderen mitteilen können. Ich rede von Nahtoderfahrungen. Menschen, die sie gemacht haben, sprechen davon, dass sie in solchen Momenten helles Licht gesehen und das Geleit einer Art Schutzengel erfahren hätten. Sie sagen, sie hätten den Arm Gottes um sich herum gespürt. Mich tröstet das. Und den Trost möchte an Sie heute weitergeben. In dem Moment, in demSie das irdische Leben verlassen, sind Sie nicht allein.

Was ist „Ballast“?

Wenn jemand in Not ist, dann gilt ganz schnell der traditionelle Rettungsversuch einer kritischen Situation beim Freiluftballonfahren: Ballast abwerfen, um weiterzukommen! Gibt es Stress am Arbeitsplatz, dann ist der „Ballast“ aber manchmal ein Mensch, mit dem man jahraus jahrein zusammen geschuftet hat. Und jetzt plötzlich soll er oder sie gehen.

Beim Ballastabwerfen muss man ganz schön aufpassen, dass in der Hektik der Krise niemand Gasflaschen über Bord wirft, die den Heißluftballon erst fliegen lassen. Wenn in Ihrer Firma gerade so etwas passiert, dann versuchen Sie doch morgen gleich einmal, die anderen zum Zusammenrücken zu bringen. Dann ist auch auf einmal mehr Platz da, als man dachte.


Auch Hans kann lernen

Sie kennen den alten Spruch: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr? Das bedeutet, was man als Kind nicht gelernt hat, lernt man als Erwachsener auf gar keinen Fall mehr. Aber das ist Blödsinn. Es gibt einen Trick – damit klappt es auch später noch.

Kinder lassen sich Zeit. Sie lernen spielend und ohne Druck. Sie lernen durch Wiederholung und Nachahmung, Sie lernen mit Interesse und mit Herz. Wenn Sie es genauso machen, dann bin ich sicher, Sie können alles lernen, was Sie wollen. Skifahren und Englisch, Klavierspielen und Bridge. Was wollen Sie noch lernen? Tun Sie es.

Und ich kann Ihnen jetzt nur den guten Tipp mitgeben: Lernen Sie nicht als Erwachsener, sondern spielend. Mit viel Zeit. Und ganz locker. Dann passen Sie auch gut auf sich auf!


Vom Propheten Jona

Wissen Sie, wer Jona war und welche Aufgabe er hatte? Jona war ein Prophet. Und Propheten haben immer die Aufgabe, Menschen vor etwas zu warnen oder sie zu beschützen. Was aber war Jonas Botschaft? Jona musste die Bürger von Ninive warnen. Er warnte sie davor, dass sie untergehen würden, wenn sie weitermachten wie bisher. Aber er wollte die Bürger von Ninive nicht erschrecken oder ihnen drohen. Er wollte sie warnen und ihnen sagen, dass Gott sie liebt. Und die Bürger von Ninive? Sie waren klug genug, dem Propheten zu glauben und Gott zu gehorchen. Gott sei Dank. Welchem Propheten sollten Sie Gehör schenken?


Ein guter Mensch

Was ist ein guter Mensch? Auf diese uralte Frage soll einmal der fromme deutsche Mystiker Meister Eckehart geantwortet haben: Ein guter Mensch ist ein Mensch, der Gutes über andere redet. Und wenn Sie jetzt ganz spontan antworten: Der Mann hat recht, dann ahne ich, dass Sie auch bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben – dass man böse und gemein hinter Ihrem Rücken über Sie geredet hat. Aber was können wir tun? Zunächst einmal hilft es schon, nur den Mund zu halten, wenn wieder einmal schlecht über andere Menschen geredet, getratscht oder hergezogen wird. Allein Ihr Schweigen wird für die anderen schon auffällig genug sein. Und in dieses Schweigen hinein könnte Ihnen das alte Wort von Eckehart einfallen: Ein guter Mensch ist nur jemand, der gut über andere redet! Erst, wenn Sie mit diesem Satz einig geworden sind, sollten Sie anfangen zu sprechen. Und Sie werden erstaunt sein, denn Sie werden plötzlich ein völlig neuer Mensch. Ein Wort noch mit auf den Übungsweg: Haben Sie keine Sorge, dass Ihnen nichts Gutes über andere Menschen einfällt. Fangen Sie heute damit an!

Der Geist ist wichtig – nicht nur zu Pfingsten

Da frotzeln die Leute über Selbsthilfegruppen, über Anonyme Alkoholiker, über alleinerziehende Väter oder über Weight Watchers, die sich gegenseitig kontrollieren und beim Abnehmen beistehen. Was wird da gelästert! Und kaum einer nimmt wahr, dass wir Christen alle zusammen seit Pfingsten vor knapp 2000 Jahren selbst eine Selbsthilfegruppe sin. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Schließlich war der Experte für Sinn- und Lebensfragen, Jesus, der Prophet aus Galiläa, nicht mehr da. Tot! Seit Karfreitag! Sagten die einen. In einer anderen himmlischen Welt, zur Rechten des Vaters auf einem Thron, sagten die anderen. Unterm Strich jedenfalls war er nicht mehr da: Er heilte nicht mehr. Er predigte nicht mehr, er tröstete nicht mehr. Alles vorbei!

Da hätten die elf übrig gebliebenen Männer und der Schwarm der Frauen, die Jesus begleiteten und seine Schüler waren, eigentlich nach Hause gehen können. Was weiß schon ein Fischer wie Petrus über den Sinn des Lebens? Was weiß schon ein Zöllner wie Matthäus über ein Leben ohne Geld und darüber, dass Vertrauen besser ist als Kontrolle? Wahrscheinlich wenig! Sie hätten also nach Hause gehen können. Der eine zurück an den See zu seinen Netzen. Der andere zurück an die Grenze, um Zoll zu kassieren. Aber genau da, als die Entscheidung anstand, wurde die erfolgreichste Selbsthilfegruppe der Welt gegründet. Die Entdeckung war, dass eben elf Männer und ein paar Frauen, wenn sie sich zusammentun, mehr sind als nur elf Männer und ein paar Frauen. Da kommt auf einmal ein Geist auf, der den Einzelnen nicht hängen lässt. Da kommt, solange sie zusammen bleiben, auf einmal eine Begeisterung auf, die Feuer hat und siegen kann. Mit diesem Geist, den sie den Heiligen Geist nannten, sind die Christen durch die Jahrhunderte gezogen. Sie haben dabei auch hunderte von Fehlern und Niederlagen produziert. Meistens dann, wenn sie nicht dem Geist der Gemeinschaft trauten, sondern irgendwelchen Herren und Hierarchien. Und sie sind weitergekommen, wo sie gleichberechtigte Schwestern und Brüder waren. Mehr nicht. Aber eben auch nicht weniger. Denn da weht ein Geist der Gleichberechtigung, von dem lebt bis auf den heutigen Tag jede Selbsthilfegruppe. Nicht nur zu Pfingsten!



Vom Beten und Singen

Ich möchte Sie ermuntern zu singen! Und wenn Sie den Liedern eine gewisse Tiefe geben wollen, dann überlegen Sie, mit wem Sie bisher gesungen haben. Was haben Sie mit Ihren Eltern gesungen, was mit Ihren Kindern? Woran erinnern Sie sich? Welche Lieder werden in der Kirche, im Gottesdienst gesungen? Was die Kirche angeht, habe ich eine Utopie im Kopf: In den Messen von morgen darf die Gemeinde wählen, was gesungen wird, und nicht mehr der Pfarrer, Pfarrerin oder Kantor. Das ist spannend. Schließlich muss auch der Wurm an der Angel dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Das Lied, das wir finden, muss der Gemeinde schmecken und nicht dem Pfarrer. Er muss die Gemeinde fragen: Was wollen Sie singen? Und noch etwas ist ganz dringend zu verändern in den protestantischen Kirchen: Da sitzt man beim Singen und steht beim Beten. Umgekehrt macht es Sinn! Zum Beten gehört eine Demutshaltung. Man muss spüren, wie klein man ist und wie groß der Allmächtige. Da geht man doch in die Knie. Das machen die Katholiken besser. Beim Beten muss man ganz klein sein, man muss ein Kind sein, um tiefer zu empfinden und deutlicher. Beim Singen dagegen muss man stehen. Das geht nicht im Sitzen. Singen geht körperlich immer ins Rückgrat. „Großer Gott wir loben dich“ zum Beispiel. Das singt man wie die Nationalhymne und das spürt man im Rücken. „Einigkeit und Recht und Freiheit“ – das stärkt den Rücken. Ich wünsche Ihnen ein Lied, das Ihnen heute Ihren Rücken stärkt!


Beten braucht keine Worte

Inständig bittet mich eine junge Frau, für sie zu beten. Was mache ich dann? Ich doch weder ein Heiliger noch Jesus selbst. Wenn ich das nun gar nicht kann? Oder vermutet die junge Frau vielleicht, dass ich Worte wüsste, die im Himmel eher verstanden würden als das einfache Stöhnen und Seufzen eines gesunden oder kranken Menschen? Als wenn man im Himmel immer heilige Worte sprechen müsste. Wahr muss man reden, wahr und offen wieein Kind. Denn wir sind doch nichts anderes als die Nesthäkchen der Schöpfung. Und wie immer Sie Ihre Klopfzeichen, leise oder laut, im Seufzen oder Singen, still und stumm, gen Himmel richten, sie werden ganz sicher gehört. Sie sind gut beschützt.


Die zehn Gebote für den Arbeitsplatz

Ich hoffe, Siefühlen sich wohl an Ihrem Arbeitsplatz, und Sie können am Abend beruhigt an den vergangenen Arbeitstag denken und ohne Sorgen an morgen. Manche Menschen tun das nämlich ganz und gar nicht. Es gibt richtige Kriege am Arbeitsplatz. Das nennt man Mobbing! Eine junge Frau, die sehr unglücklich in ihrem Büro wurde, hat mir einmal ihre zehn Gebote gegen Mobbing geschickt. Einige dieser Sätze finde ich so schön, dass ich sie hier wiedergeben möchte. Zum Beispiel das zweite: „Du sollst deine Kollegen nicht verletzen durch Worte und Taten.“ Oder das vierte Gebot: „Du sollst nicht vorschnell über Mitmenschen urteilen und aus dieser Sicht Meinungen über sie verbreiten.“ Oder das siebte: „Du sollst dich nicht an den Fehlern deiner Kollegen erfreuen, sondern ihnen helfen, sie in Zukunft zu vermeiden.“ Na, wie wäre es denn, wenn Sie sich so etwas über Ihren Arbeitsplatz hängen würden? Seien Sie gutbeschützt, wo immer Sie jetzt auch sind.


Sie sind nicht alleine mit den Wolken!

Manchen Depressionen kommt man auf die Spur, wenn man nach den Wolken guckt. Es gibt Wolken, die ziehen sich oft über Jahre oder Jahrzehnte über einem Leben zusammen. Man weiß oft gar nicht mehr, woher sie kamen. Dann muss man rückwärts gehen. Also, was war eigentlich früher? Was hat mich in meiner Jugendzeit bedrückt? Oder muss ich noch weiter zurück? Was hat mich in meiner Kindheit belastet? Welche Wolken gab es da über mir? Und erst, wenn diese Wolken entdeckt sind, dann können Sie mit all Ihrer Kraft dagegen angehen. Sie sind keine Kinder mehr: Heute haben Sie andere Möglichkeiten, sich zu wehren. Heute können Sie selbst aktiv werden. Auch aktiv, indem Sie Hilfe für sich suchen können. Jemand, der mit Ihnen über die Wolken spricht. Vertrauen Sie sich einem anderen Menschen an. Die Last ist für Sie allein zu schwer.

Wir sind nicht die Fremdenführer unserer Kinder!

Wir Eltern sind auf dieser Welt nicht die Fremdenführer unserer Kinder! Das wird man in diesen Tagen all überall in den Kirchen hören. Wenn nach der Konfirmation kaum eines der vierzehnjährigen Kinder für die nächsten Jahre in der Kirchenbank sitzenbleibt. Sie gehen von den Eltern weg, sie gehen aus der Kirche weg, sie verlassen ihr Nest wie die jungen Vögel. Sie gehen, um ihre Welt zu erobern. Sie wollen sich messen und sie wollen sich bewähren. Ihre Welt ist nicht unsere Welt. In ihrer Welt kennen wir uns nicht einmal gut aus. Darum: Wir Eltern sind nicht die Fremdenführer unserer Kinder! Wir müssen sie ziehen lassen. Es geht nicht anders. Wir liegen jetzt so manche Nach unruhig im Bett, weil wir nicht wissen, ob unserer Kinder den Herausforderungen des Lebens gewachsen sind. Wir würden ihnen gerne beistehen. Doch die Kinder lassen es nicht zu. Und wir können es auch nicht wirklich. Ihre Welt ist uns fremd geworden. Die Welt hat sich ein Stück, eine Generation, weiter gedreht. Und so sind wir eben nicht die Fremdenführer unserer Kinder.

Das wir im Normalfall nicht immer so ganz deutlich. Doch es könnte ja sein, dass es Ihnen so gehen könnte, wie einer Mutter aus dem Rhein Main Gebiet, die den Umgang ihrer heranwachsenden Tochter unmöglich fand. Dauernd trieb sich das Kind mit mehreren Jungs herum. Sie ließ sich die Haare stoppelkurz schneiden. Die wildesten Spiele waren ihr gerade wild genug. Und als das Alter überstanden war, teilte sie mit einer lesbischen Frau Tisch und Bett.

Kaum hatte sich die Mutter daran gewöhnt, dass ihre Tochter ihr wohl keine Enkelkinder schenken würde, der nächste „Schock“. Ein Anruf! Ihre Tochter wolle sich operieren lassen. Sie sei keine Tochter. Sie sei wohl ein Sohn, ein Mann! Die Operation stehe unmittelbar bevor. Ohne Mutters Wissen. Denn so viel Fremdes wollte die Tochter, die ein Sohn war, der Mutter nicht zumuten.

Da hat die Mutter ihrer „fremden“ Tochter mit dem Handy eine SMS geschickt, um ihr zu sagen, dass sie gerne ihren neuen Sohn lieben würde. Denn kommt nicht darauf an, dass wir unsere Kinder durch die fremde Welt führen, sondern sie begleiten.

Einen gesegneten Muttertag,

passen Sie gut auf sich auf!


Plädoyer für die Pfunde

Denken Sie etwa, nur dünne Menschen seien schön? Quälen Sie sich mit der zehnten Frühjahrsdiät, die doch immer nur wieder dasselbe bedeutet: Miese Laune und Frust? – Ich möchte gerne mit Ihnen einen Spaziergang machen. Ein Stück an Ihrer Seite will ich gehen. Was hat sie so dick werden lassen? Durch welche Täler der Tränen sind Sie gegangen? Man spricht ja nicht umsonst von einem Trauerkloß… Wie schwer ist es, mit den Pfunden durch das Leben zu gehen? Der andere Teil geht nicht auf Ihr Konto, der geht auf das Konto einer verrückten Gesellschaft, die sagt, nur dünne Frauen seien schön. Das ist doch völliger Schwachsinn. Gehen Sie in die Türkei, gehen Sie in den Orient, oder gehen Sie einfach in das alte Testament zurück. Da gibt es die Geschichte von Esther. Die ist so richtig schön pummelig, die rettet ihr ganzes Volk. Darum denken Sie daran, bevor Sie sich an der nächsten Diät unglücklich machen: Was schön ist, hängt auch vom Betrachter ab. Und auch bei uns gibt es Menschen, die jedes Kilo an sich lieben – trauen Sie sich und haben Sie sich lieb, Pfund für Pfund!


Mit den Verstorbenen in die Kirche

Die uralte Auferstehungserfahrung der Menschheit, Ostern, ist nicht an einen bestimmten Termin gebunden. Ich lade Sie ein, mit Ihrer Erfahrung in die Kirche zu kommen. Bringen Sie Ihre Erinnerungen an die Verstorbenen mit. Sehen Sie doch einfach mal, ob Ihr Herz an einem Verstorbenen hängt! Vielleicht ist es wichtig, erst einmal gemeinsam das Leben zu feiern und mit ihnen ins Reine zu kommen. Und wenn Sie die Wahrheit in der Kirche vielleicht zu dogmatisch empfinden, dann entdecken Sie sie in den Geheimnissen der Schöpfung wieder – wenn Sie Augen, Ohren, Herz und Sinne öffnen.

Das Band der Sympathie

Haben Sie schon mal einen Kettenbrief bekommen? Da steht drin, Sie müssten den Brief zehn Mal abschreiben und neu verschicken, denn sonst hätten Sie Ihr restliches Leben lang Pech. Was soll man bloß tun mit solchen Briefen? Es macht Angst, zu denken, dass man der Einzige ist, der diese Briefe nicht weiterschickt. Sucht das Leben dann wirklich mich aus und macht mich fertig? Bin ich denn ganz allein? Tipp von mir: Machen Sie eine neue Kette auf! Die Kette derer, die diese Briefe nicht weiterverschickt. Denn alles, was Angst macht, ist ganz sicher falsch. Bilden Sie eine neue Kette: Zerreißen Sie das Band, und knüpfen ein neues in Ihrem Herzen. Ein Band mit allen Freunden, die diesen bösen Brief nicht bekommen: ein Band aus Zuneigung und Sympathie.


Der Reichtum, den man nicht sehen kann

Angeberei und Prahlsucht sind keine Krankheit, die nur die „oberen Zehntausend“ betrifft. Es ist ein verstecktes Virus, das bei allen zutage tritt. Kinder zeigen ihre Markenjeans und der Vater das schnelle Auto. Wer nicht angibt, ist out. Dabei lässt sich dieses Theater doch ganz leicht demaskieren. Es geht bei all diesen Spielchen immer nur um Neid. Aber wer hat das wirklichnötig? Der ehrlich Reiche genießt seinen Reichtum unsichtbar: Er trägt ihn in seinem Herzen.


Auf dem Weg zu den Religionen

Wem verdanken Sie eigentlich Ihr Leben? Ihrer Mutter? Oder Ihrem Vater? Oder wem oder was? Sich selbst sicher am wenigsten. Schreiben Sie doch mal auf, wem Sie es zu verdanken haben, dass Sie Ihre Frau oder Ihren Mann kennengelernt haben. War es Schicksal? War es Zufall? Das sagt vielleicht Ihr schlauer Kopf. Aber was sagt Ihr Herz? Was spricht Ihre Seele? Woher kommen Ihre Kinder? Was empfand Ihre Seele beim letzten Sonnenaufgang im Urlaub am Meer? Und was trauerte tief in Ihnen, als Ihre Eltern starben? Schreiben Sie es auf. Lesen Sie es. Und verändern Sie es ruhig nach ein paar Tagen noch einmal. Wenn Sie das tun, sind Sie auf dem Weg zu den Religionen. Und die sagen nicht immer, dass sie eine Antwort gefunden haben, aber sie haben sich wenigstens nicht um die wirklich wichtigen Fragen des Lebens herumgeschummelt.

Das vierte Gebot

Eines der zehn Gebote lautet: „Du sollst Vater und Mutter ehren.“ Da meint man zunächst, das Gebot sei nur für die Eltern gemacht. Aber das stimmt gar nicht. Genauso ist es für die Kinder gemacht. Ein Kind darf sich nämlich überlegen, ob die Eltern sich so verhalten, dass auch es selbst geehrt wird. Und wenn Sie merken, es geht gar nichts mehr zwischen den Jungen und den Alten, dann dürfen Sie auch nach einem ganz anderen Grundsatz handeln: Verlassen Sie Vater und Mutter, wenn sie Ihnen den Weg in den Himmel versperren!


Von Undank und Freundschaft

Das sagt man so oft: „Undank ist der Welt Lohn.“ Man hat Dankbarkeit erwartet und keine erhalten. Und es klingt immer ein bisschen verbittert. Jeder sehnt sich doch nach Liebe und nach Freundschaften, die lange anhalten. Aber sobald man Dank von Freunden erwartet, baut man sich selbst eine Falle. Denn wenn man etwas „erwartet“, macht man sich abhängig von seinen Erwartungen. Da gibt man einem Freund nichts mehr von gleich zu gleichem, sondern es entstehen plötzlich unterschiedliche Ebenen. Und das hat ein Mensch nicht besonders gerne. Keiner fühlt sich gerne unterlegen, auch nicht, wenn er in Not ist. Also, Tipp von mir: Lassen Sie es Ihre Freunde nicht spüren, wenn Sie ihnen wirklich helfen wollen. Helfen Sie einfach – ohne Erwartung. Dann hält die Freundschaft ewig.

Beim Lügen lieben

Hand aufs Herz, haben Sie heute jemanden angelogen? Es gibt ja solche und solche Lügen. Solche, die nützen und solche, die wehtun. Die einen Lügen gehören zum Menschlichsein vielleicht sogar fast dazu. Was denken Sie? Ist es denn wirklich gelogen, jemandem ein Kompliment zu machen, weil ich weiß, er oder sie würde es gerne hören, auch wenn ich beide Augen zudrücken muss? Ist es gelogen, vor einer Operation zu sagen, es wird alles gut gehen? Sie verstehen schon, was ichmeine. Wenn ich mal so eine Art heiligen roten Faden in diese ganzen Lügengeschichten bringen müsste, würde ich sagen: „Wenn Sie lügen, dann achten Sie darauf, dass Sie die Menschen beim Lügen lieben!“ Das gilt für Arzt oder Ärztin vor dem medizinischen Eingriff genauso wie beim – alltäglichen- Kompliment. Passen Sie gut auf sich auf!

Loslassen!

Erinnern Sie sich noch, wie es war, als Ihre Kinder noch an Ihrem Rockzipfel hingen? Da haben Sie davon geträumt, wie es wäre, wenn die Kinder endlich flügge würden und Sie mal wieder aufatmen könnten. Und jetzt sind die Kinder aus dem Haus. Da fangen wir dann plötzlich an, die Kinder festzuhalten. Und die Kinder träumen davon, endlich mal frei atmen zu können. Ich denke, wenn man loslässt, dann haben beide Seiten viel mehr Kraft und Raum zum Atmen. Und dann gehen Eltern und Kinder wieder aufeinander zu. Nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen.


Was im Alter trägt

Im Rentenalter wird man womöglich noch eine Erfahrung nachholen müssen, zu der man sein ganzes Leben lang vor lauter Arbeit und Pflicht nicht gekommen ist. Und die heißt: Was passiert eigentlich, wenn ich nicht mehr bereit oder in der Lage bin, für Liebe und Nähe Frondienste zu leisten? Sorgt das Leben trotzdem für mich? Das muss man ausprobieren. Und vor einem her geht wie ein Licht der alte biblische Abraham. Der musste seine Familie verlassen, um das zu erfahren. Also mach es wie Abraham, verlass deine Familie! Der zurückgelassene Sohn wird dadurch nur endlich erwachsen. Und wie der alte Abraham wird man neue Menschen finden, die Arbeit und Liebe unterscheiden können. In der Zeit der nachlassenden Kräfte wird es sicher auch einfacher sein, geschenktes Leben und geschenkte Liebe von dem bloßen Geschäft zu unterscheiden, in dem man sich die Nähe der anderen durch Ar­beit und Geschenke erkaufen musste. Mit Arbeit ist nicht mehr viel: Auch das Geld für Geschenke wird knapper. Jetzt fegt der Wind die Spreu der ober­flächlichen Beziehungen beiseite. Und was übrig bleibt, trägt wirklich. Fürchte dich nicht!


Verwandeln Sie Ihre Tränen!

Es ist verblüffend: Man kann Tränen in Kuchen verwandeln! Wenn Sie heute einsam waren, dann lesen Sie für morgen doch gleich mal in Ihrem Backbuch nach, wie Sie sich helfen können. Rund wir Tränen sind nämlich die Kuchenformen – und das bringt mich auf die Idee, dass man Trauer verwandeln kann in Aktivität. Backen Sie Ihren Lieblingskuchen (er kann ruhig ein bisschen aufwendiger sein), und dann gehen Sie damit zu Ihrer Nachbarin, Ihrem Nachbarn. Laden Sie sich und den Kuchen zum Kaffee ein. Das ist schon fast biblisch. Denn da steht auch, dass man Klagen verwandeln kann in Tanz und Tränen in einen Reigen. Und Tränen kann man eben manchmal verwandeln in einen Kuchen. Passen Sie gut auf sich auf.



Die Medizin der Seele

Es gibt eine Medizin der Seele, die hilft gegen jede Sucht. Und sie ist einfach zu bekommen. Die Krankheit hatte schon der kleine Häwelmann aus dem alten Kinderbuch, der schrie: „Mehr, ich will mehr, immer mehr…“ Heute machen wir es fast alle so. Glücklicher werden wir dabei leider nicht. Und dabei ist die Medizin so leicht zu bekommen – ein einfacher kleiner Satz: „Es ist genug!“ – und: „Danke!“



Der ungläubige Thomas

Wie leicht ist es, über etwas Unbekanntes erst einmal zu spotten? Dieses Verhaltensmuster kenne ich gut. Es erinnert mich an die Geschichte vom ungläubigen Thomas. Thomas, der kein Wunder von Jesus gelten lassen will, wenn er nicht selber etwas davon hat. Thomas will nicht eher an das Wunder der Auferstehung glauben, bis er selbst seine Hand in die Wunde Jesu‘ gelegt hat. Und Jesus war weise genug, ihm genau das auch zu erlauben. Sind Sie weise genug, zu prüfen und prüfen zu lassen, bevor Sie spotten? Dann wird alles wieder gut.


Der Sabbat des Herzens

In einer Welt, die immer schneller wird, wird die Ruhe, die ein Mensch noch finden kann, immer umkämpfter. Aber sie wird deswegen auch immer wichtiger und kostbarer. Sie wird zum kostbarsten Heilmittel überhaupt. Mit ihr allein wird die ganze Welt im Los bleiben können. Mit sonst nichts.

Also, ruhen Sie sich doch einmal einfach nur aus. Es ist oft genug das Wichtigste und Richtigste, was Sie für sich und die Welt tun können: einmal nichts tun! Es ist wie ein Sabbat des Herzens. Und es müsste eigentlich so ein Sabbat des Herzens seit alters her mindestens alle sieben Tage erlebt werden. Aber wo die Tradition verloren geht, mitten im Alltag Inseln und Oasen der Ruhe zu finden, ist vielleicht Musik eine Hilfe, die Zeit zur Ruhe, zur Besinnung und zum Träumen zu finden. Die Musik schickt Ihre Träume und Gedanken auf eine unbekannte Reise. Und das Ziel ist der Ort, an dem Sie Ihre Kraft finden. Ich wünsche Ihnen, dass Sie den Ort schon gefunden haben.


Keine Angst vor Tränen!

Manche Menschen fürchten sich, wenn jemand anfängt zu weinen. Sie fangen an, klug daher zu reden. Ich tue das schon lange nicht mehr. Nein, ich schweige lieber! Ich sage gar nichts. Ich nehme den Menschen bei der Hand und halte das Kind, auch wenn die schrecklichen Bilder mittlerweile viele, viele Jahre alt sind, und ich schweige. Ich warte lieber. Manchmal sage ich „Ich sehe deine Tränen“ – mehr nicht! Denn Tränen sind nicht nur ein Ventil der Seele, das sie von großem Schmerz befreit und niemanden etwas angeht. Wenn das so billig wäre, dann hätte der liebe Gott bestimmt einen unsichtbaren Tränenkanal gefunden, der von den Augen unmittelbar in den Bauch führt, ohne dass man je eine Träne zu Gesicht bekommt. Die Tränen sagen doch: Seht doch! Nehmt mich wahr! Meine Seele blutet! Lass mich nicht allein, denn ich spüre wie nie meine Einsamkeit! Wenn Sie Tränen sehen, sagen Sie nur: Ich sehe deine Tränen! Mehr nicht! Und wenn jemand schluchzt, schreit und jammert, sagen Sie nur: Ich höre deinen Schmerz! Mehr nicht! Denn der Schmerz will nicht nur aus der Seele heraus. Er will auch in die Ohren der Menschen hinein. Die Traurigkeit ist der tiefste Versuch, die Beziehung zu anderen Menschen nicht abreißen zu lassen: Jetzt kommt es darauf an, dass die ganze Welt zu mir hält und zu mir steht!

Seien Sie gut beschützt!

Der Herbst bringt uns dem Himmel näher

Es ist Herbst. Und wenn Sie sich für ein paar Augenblicke irgendwo anlehnen möchten, weil die eigene Seele erschöpft ist, dann finden Sie für sich im Herbst eine ganz besondere Stimmung vor. Es ist eben eine besondere Zeit, der Herbst. Er ist für uns Menschen mehr als nur eine Jahreszeit. In ihr hat sich alles versammelt: die Stille des Winters, der Aufbruch des Frühlings und das Wachsen des Sommers. Bevor die Stürme kommen, bringt der Herbst eine große Ruhe mit sich. Lassen Sie jetzt einmal alle Ihre Aktivitäten ruhen. Schließen Sie ruhig die Augen. Und dann schauen Sie für einen Moment versunken zurück auf all Ihre Anstrengungen, Mühen und Sorgen. Wer die Ruhe des Herbstes tief in sich aufnehmen kann, muss den Winter nicht fürchten.


Gute Nachbarschaft

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es den bösen Nachbarn nicht gefällt.“ – Es ist schwierig, mit Menschen zusammenzuleben, deren Lebensstil ganz anders ist als der eigene. Manche Nachbarn spielen nachts auf der Geige, manche parken die Einfahrt zu, manche grüßen einfach nicht. Meistens wissen die anderen gar nicht mal so genau, dass Sie sich von ihnen gestört fühlen. Ich bin dafür, dass Sie mal in guter Stimmung, möglichst mit einer Flasche Wein oder einem Stück Kuchen, zu den Nachbarn gehen. Versuchen Sie, Ihnen zu sagen, wie sehr Sie sie schätzen. Und dass Sie froh sind, Nachbarn zu haben. Und im Gegenzug bitten Sie sie um Respekt vor Ihnen selbst. Sie werden sehen, das klappt. Auf eine gute Nachbarschaft! – Passen Sie gut auf sich auf!


Damit Ihnen nicht die Luft wegbleibt

Der Atem ist uns den ganzen Tag über nur ganz selten bewusst. Und doch transportiert er Sauerstoff nach innen und verbrauchte Luft nach außen und macht uns wieder frisch. Feiern Sie doch mal Ihren Atem! Dazu möchte ich Ihnen drei Tipps geben: Gehen Sie in den Wald, und schreien Sie mal so richtig laut. Dafür braucht man alle Luft. Und singen Sie in der Kirche oder unter der Dusche mal aus Herzenslust. Das hilft zum Durchatmen. Und mit dem dritten können Sie gleich heute abend anfangen: Legen Sie sich auf den Rücken und fühlen Sie Ihren Bauch. Und dann atmen Sie genau dorthin, wo Ihr Nabel ist. Er zeigt Ihnen den Weg. Üben Sie das doch mal täglich zehn Minuten. Und Sie werden sehen, dass Ihnen bald nicht mehr so leicht die Luft wegbleibt. Damit unterstützen Sie Ihre Seele und: Sie passen gut auf sich auf!


Die klugen Großeltern

Ich habe vor einiger Zeit schon einmal über die Vorteile des Alters gesprochen. Es gibt so viel, was die alten Menschen uns jüngeren voraus haben. Ein ganz großer Schatz des Alters ist die Güte. Davon wissen die Enkelkinder ein Lied zu singen. Die Großeltern wissen nämlich schon aus Erfahrung, dass Erziehung gar nicht so viel bringt. Güte aber bringt alles. Die Alten wissen ganz genau, dass Kinder am besten durch unsere Beispiele lernen. Sie ahmen uns nach. Da helfen alle Ermahnungen nichts. Ein gutes Beispiel aber hilft ganz sicher. Gute Beispiele sind die besten Predigten. Und Predigten sind die schlechtesten Beispiele: viel reden und nichts ändern. Das wird nichts. Großeltern haben das längst aufgegeben. Und siehe da – sie werden zum wirklichen Ankerplatz für unsere kids! Achten Sie darauf, und passen Sie gut auf sich auf.



Das Leben ist ein Geschenk!

Ich weiß ja nicht, wie alt Sie sind. Noch ganz jung oder selbst schon Großmutter oder Großvater? Ich möchte mit Ihnen über die Weisheit und die Kostbarkeiten des Alters sprechen. Es gibt so viel, was uns alte Menschen vorleben und zeigen können. Und das allerwichtigste in unserer kalten Zeit ist das Schenken. Alte Menschen schenken und verschenken. Sie fragen ihre Kinder und Enkelkinder nicht nach dem Gegenwert, den sie bekommen. Denn längst haben sie erkannt, dass man sich im Leben nichts verdienen kann. Und sie haben gesehen, dass dieses ewige Kaufen und Verkaufen, Handeln und Schachern vom Teufel war. Jetzt geben sie mit offenen Händen. Als wenn der Herbst des Lebens goldene Schatten wirft. Plötzlich leuchtet ein geheimes Wissen in den Alten auf: Sie haben erkannt, dass das Leben wohl ein einziges Geschenk war. Und ein Geschenk ist Ihr Leben auch für Sie. Darum passen Sie gut auf sich auf – heute und morgen wieder!


Suche nach Streicheleinheiten

Haben Sie heute keine Lust auf das Büro gehabt? Keine Lust auf nörgelnde Nachbarn, Chefs oder Kollegen? Wissen Sie was: Bluffende und bellende Menschen reagieren manchmal nicht anders als knurrende und bellende Hunde. Die versteht man oft besser mit den Augen als mit den Ohren. Verstehen Sie? Man kann sich denken, was man will. Sehen kann man etwas ganz anderes. Wenn man ihnen in die Augen schaut, dann sieht man den Hunden doch an, was sie eigentlich wollen. Nämlich Aufmerksamkeit. Sie wollen gestreichelt werden. Und wenn Ihr Chef Sie mal wieder anblufft, dann halten Sie sich die Ohren zu. Schauen Sie dem Kläffer in die Augen. Und denken Sie sich, dieses hohe Tier da will wahrscheinlich nur gestreichelt werden…Passen Sie gut auf sich auf. Sie sind wertvoll und liebenswert.


Wie Bäume trösten können…

„Wenn ich doch nur an irgendetwas glauben könnte!“ seufzte die Frau. Sie war noch keine vierzig Jahre und hatte all die Jahre mit dem lieben Gott und der Kraft des Himmels nichts zu tun gehabt. Das lag gar nicht an ihr. Sie war in Sachsen-Anhalt groß geworden. Und ihre Eltern hatten all die Jahre eher an den Sieg des Sozialismus geglaubt als an den Trost des Himmels. Als wenn sich das ausschließen müsste! Kirche, Religion und Glauben waren der Frau mehr als fremd geblieben. Aber jetzt stand sie da und konnte in den Trümmern ihrer kurzen Ehe, ihres Berufs und ihrer Heimatlosigkeit keinen Sinn mehr erblicken. Sie wollte aufgeben. Da war kein Ziel mehr auf Erden. Die Träume waren erloschen. Und das Leben antwortete nicht. Und da war eben auch kein Trost des Himmels. Der Himmel war ihr verschlossen. Nein, der Himmel war ihr noch gar nicht aufgeschlossen worden. Ich wollte ihr als Pfarrer nicht gleich mit Beten und mit Händefalten kommen. Das würde ihr ziemlich komisch und fremd erscheinen. Als wenn der Himmel ihr antworten könnte! Über unseren Köpfen ist doch nichts als blauer Dunst! Sauerstoff und Wasserstoff mit ein bisschen Ozon! Wie sollte denn die Luft des Himmels auf die Rufe eines Menschen antworten können? Der Himmel lebt doch nicht! Sie würde sicher denken: „Das ist doch das Verrückte an den Christen, dass die so einen Blödsinn glauben!" Ich müsste einfacher anfangen. Ich müsste ganz ohne Himmel zu ihr reden. Ich müsste im Herzen der jungen Frau danach suchen, wo sie längst selbst davon aussgeht, dass alles, was es gibt auf dieser Welt, eine Seele und ein Wesen hat. Alles lebt! Auch der Himmel! Der Bach zum Beispiel, der murmelt. Der Baum, der sich wiegt, und der hohe Berg, der über allem thront. So wie es in vielen Gedichten doch zu lesen ist. In den Gedichten hat doch längst alles eine Seele. Da wird doch längst zum Bach und zum Baum und zum Berg gesprochen. Auch im tiefsten Atheismus. Und der Bach antwortet. Und der starke Baum tröstet. Und der Berg weiß aus uralten Zeiten, wer die Welt regiert. Und genau diese Gedichte sind es doch, die unser Herz berühren. Gedichte sind Herzensnahrung. Gedichte sind nie für den klugen wissenschaftlichen Kopf geschrieben. Gedichte gehen von Herz zu Herz. Gedichte sind die Türen in ein Herz, das denHimmel nicht spüren kann. Wer den Himmel nicht über die heiligen Geschichten in der Bibel finden kann, der kann ihn über die Gedichte betreten. Was wird der alte Baum der jungen Frau antworten, wenn sie wie im Gedicht zu ihm spricht und ihn ruft? Er wird ihr von sich erzählen. Von der Härte des Winters. Vom Sturm, der ihn fast umbrachte, von der Unfähigkeit, weglaufen zu können. Und vom Frühling wird er erzählen, der noch jedes Mal kam. Kein Winter dauert ewig, wird er sagen. Und hab Geduld mit dir selbst. Aber wenn du von irgendwoher Wärme spürst, dann warte nicht lange, öffne dich, denn ein neuer Frühling ist da. Fürchte dich nicht! Wer so mit den Bäumen sprechen lernt, lernt auch leicht, die Hände zu falten.


Lassen Sie sich nicht blenden!

Kennen Sie Menschen im Rollstuhl? Es ist in unserer Gesellschaft ja ganz schön wichtig, mit welchen "Rädern“ man vorfährt. Ein Blick auf den Stern, vorne auf den Kühler und auf die PS, die unter der Haube sind. Ein einschätzender Blick. Alles ist klar. Das ist eine ganz eingefressene Krankheit bei uns: Menschen daran zu messen, mit welchem Gefährt sie vorfahren. Dabei ist es doch so viel ehrlicher, dem Menschen ins Gesicht zu sehen. Nicht auf die Räder. Schauen Sie ihn an. Lächeln Sie ihn an. Sprechen Sie mit ihm. Lernen Sie ihn kennen. Und dann kann alles klar sein. Zwischen Ihnen beiden. Solange man sich von Rädern blenden lässt, ist man blind für den Menschen. Passen Sie gut auf sich auf!


Die Schätze der Alten

Sehen Sie auch an den Straßen immer wieder die gelben Mülltonnen und die gelben Säcke? Alles, alles wird heutzutage recycelt. Der letzte leere Joghurtbecher wird liebevoll gespült und auf seine verbliebenen Reststoffe untersucht – und wieder nutzbar gemacht. Das ist ja auch wirklich gut so. Nur bei unseren alten Menschen Menschen vergessen wir anscheinend ihre Kostbarkeiten. Sie scheinen nichts mehr wert zu sein. Ex und hopp, noch lange vor dem Lebensabend. Da stimmt doch die Welt nicht mehr. Ausgerechnet da, wo der größte Schatz für uns alle zu heben ist, da sind wir mit Blindheit geschlagen. Nein, ich meine nicht Omas oder Tantchens Bankkonto. Ich meine ihre Erfahrungen. Ihre Geschichten. Ihre Weisheit. Was es da zu entdecken gibt, das wird Sie wundern. Gehen Sie doch mal los, morgen oder übermorgen und fragen Sie einen alten Menschen nach seinen Geschichten. Hören Sie ihm oder ihr zu. Auch, wenn es erst mal ein bisschen mühsam erscheinen mag. Vielleicht wird es bald wieder zur Routine, den Ältestenrat zu erfragen. Passen Sie gut auf sich auf!



Vom Nichtstun


Wozu brauchen wir eigentlich den Sommer? Warum besingen wir ihn und träumen von ihm bis in den Winter hinein? Weil der Sommer zu uns kommt wie ein richtiges Fest. So, wie am Sonntag, dem Tag der Sonne, nicht gearbeitet wird, kommt der Sonnensommer daher, um uns vom Arbeiten abzuhalten. Der Sommer kommt zu uns, damit wir ihn genießen. In der flirrenden Mittagshitze zeigt er uns, worum es wirklich geht: Siesta! Nur dazu ist der Sommer da. Er zeigt uns die wirklich himmlischen Seiten unseres Lebens. Er lehrt uns das Nichtstun. Trauen Sie sich, und genießen Sie es!


Wach bleiben!

Zwei Worte beschreiben das Lebenswerk von Jesus ziemlich genau: „Bleibt wach.“ Mehr nicht. „Seid wach!“, das hat er immer wieder gesagt. Seht doch die Lilien auf dem Feld! Warum seht Ihr sie nicht? Warum hört Ihr nicht, was sie sagen? Seht doch den Blinden am Weg! Warum überhört Ihr sein Rufen? Schaut doch den Himmel an, Sonne Mond und Sterne. Wieso spürt Ihr nicht, dass der Himmel für uns sorgt? Wir sind doch seine Kinder! Je wacher einer ist, desto kindlicher wird er wieder werden. Desto mehr er sieht, hört und spürt er die Nähe Gottes. Das ganze Leben ist doch eine Frage der Aufmerksamkeit.


Fürsorge kann auch schädlich sein

Manchmal schadet zu viel Fürsorge. Manchmal macht das alles noch viel schlimmer als es so schon ist. Wissen Sie, wo das so ist? Bei der Volkskrankheit Nummer eins, beim Alkohol. Wenn Ihr Partner oder Ihre Partnerin alkoholabhängig ist, dann ist zu viel Fürsorge und Verständnis für sie oder ihn das reine Gift. Natürlich fällt es einem als Partner schwer, man hat Schuldgefühle und Fragen ohne Ende. Aber in so einem Fall hilft es nicht, zu jammern und Schuld und Verantwortung aufrechnen zu wollen. Handeln Sie. Sagen Sie dem Betroffenen: „Du, ich habe dich liebe und ich sehe, dass du leidest. Das bedeutet für mich, dass ich dich nicht mehr darin unterstütze, wie du dich gerade verhältst. Ich will nicht mit schuld an deiner Krankheit sein, nicht daran, dass du dein Leben aufs Spiel setzt. Deshalb musst du gehen. Mach eine Entgiftung, mache eine Therapie. Und dann können wir miteinander reden.“

Ich wünsche Ihnen ganz viel Kraft, wenn Sie so ein Gespräch vor sich haben. Und passen Sie gut auf sich auf!

Finden Sie Ihre Heimat!

Es gibt Menschen, die nicht wissen, wo ihre Heimat ist. Sie sind in einem anderen Land geboren worden und als Kind schon umgezogen. Oder ihr Elternhaus wurde im Krieg zerstört. Manche Menschen fühlen sich auch im eigenen Körper nicht zu Hause. Sie fühlen sich als Frau und sind eigentlich ein Mann – oder umgekehrt. Manche dieser Menschen haben sich aufgemacht, ihre Heimat und ihre eigene Bestimmung zu finden. Ich bewundere diese Menschen von Herzen. Jeder weiß doch, wie es ist, Heimweh zu haben. Immer ist man auf der Suche, und man spürt, dass etwas fehlt. Irgendwas muss doch auf einen warten, einen Ort muss es geben, wo man sich wohl fühlt. Helfen Sie diesen Menschen unter uns, ihre Heimat zu finden. Und wenn Sie selbst noch auf der Suche nach Ihrer eigenen Heimat sind, dann machen Sie sich doch auf den Weg. Ich bin ganz sicher, es gibt einen Wegweiser, und Sie kommen an. Passen Sie gut auf sich auf!

Die Kraft der Magnete

Ein Stück Eisen. Ist es wertlos? Nein, denn es birgt ein Geheimnis in sich. Es handelt sich nämlich um einen Magneten! Stellen Sie sich einmal vor, so ein alter Magnet könnte aus seinem Dasein erzählen. Wie viele andere Magnete hatte er gefunden, einige, die ihn abstießen , andere, an die er sich schmiegte, als hätte er sie lieb. Und die, die er abstieß oder die sich im nicht nähern wollten, mochte er vielleicht nicht so sehr. „Solche Erfahrungen habe ich im Leben gemacht, und die Erfahrungen haben mich reicher und stärker gemacht“, könnte er sagen. Wenn man heute neben den alten starken Magneten ein neues „unerfahrenes“ Stück Eisen legte, dann würde etwas sehr Mystisches passieren: Der alte Magnet würde seine große, jahrelang angesammelte Kraft an das junge Stück Metall übergeben. Und wenn die zwei lange genug nebeneinander liegen, dann geben sich die beiden gegenseitig etwas. Plötzlich hat das junge Eisen die Kraft des alten. Von außen kann man sie freilich nicht sehen. Aber man kann sie spüren. Wenn der Magnet nur sprechen könnte, würde er erzählen: „Ich habe den jungen gesegnet. Ich habe ihm meine Kraft weitergegeben!“ Und er wäre stolz und glücklich darüber, wie sehr er gebraucht würde. Passen Sie gut darauf auf, wer von Ihnen gesegnet werden will.


Der direkte Weg - Mitten ins Herz!

Eine Frau hat mir neulich einen Brief geschrieben. In dem steht, sie habe sich mit jemandem gestritten, der ihr eigentlich viel bedeutet. Ging es Ihnen auch schon mal so? Haben Sie jemanden verletzt und beleidigt? Und jetzt tut es Ihnen leid?

Diese Frau bat mich, in ihrem Namen dem Bekannten einen Brief mit einer Entschuldigung zu schicken. Aber ich sage es Ihnen genauso wie ihr: Was man ausgefressen hat, muss man selbst wieder ins Lot bringen. Da kann man keinen anderen vorschicken. Wirkliche Nähe schaffen Sie nur, wenn Sie für Ihren Fehler einstehen können. Dann wird man Ihnen Respekt entgegenbringen und sich bemühen, Sie zu verstehen. Es ist gut, sich am Abend auch darüber Gedanken zu machen. Wählen Sie den direkten Weg. Der führt nämlich mitten ins Herz.

Passen Sie gut auf sich auf!


Vom Pech und vom Segen

Wie ist das eigentlich mit dem Pech? Da hat man oft das Gefühl, dass alles, was um einen herum an Misslichem passiert, mit einem selbst zu tun hat. Deshalb sagt man auch: „Das Pech klebt unter meinen Füßen.“ Überall, wo man hinkommt, gehen Gläser kaputt, fällt jemand hin und geht etwas schief. Als wenn etwas in einem drinnen ist, das pechschwarz und voller Angst ist. Als ob dadurch das Unglück erst entstehen würde. Und als ob die Seele nicht nur einen Menschen unglücklich machen könnte, sondern die Umgebung gleich mit. Aber in diesen Gedanken ist die Lösung auch gleich mit drin: Um dem Pech zu entgehen, müssen Sie sich fragen: „Wovor ängstige ich mich eigentlich? Was ist in mir so schwarz, dass ich das Pech geradezu mitzubringen scheine?“ Und wenn Sie schon dabei sind, dann fragen Sie sich doch auch gleich noch, was in Ihnen segnen sein kann, was Heil und Glück bringt. Und Sie werden sehen, beides ist da. Also fürchten Sie sich nicht.


Die Krankheit zum Unglücklichwerden

Es gibt eine Krankheit, die steht in keinem Gesundheitslexikon. Die Krankheit heißt: sich zu vergleichen. Wir leiden fast alle darunter. Wir sehen immer Menschen, die glücklicher sind als wir. Wir vergleichen uns immer wieder, und wenn wir uns vergleichen, stehen wir oft als unglückliche Menschen da. Aber das wollen wir doch gar nicht! Also kommt es darauf an, sich selbst zu sagen: Mein Leben sieht anders aus als jedes andere Leben eines Menschen auf dieser Welt. Jeder für sich ist unvergleichlich. Sie auch!


Die Hand in der Wunde

Ich habe oft das Gefühl, dass wir lernen müssen zu unterscheiden: Was ist die Liebe und was ist die Verletzung? Wenn jemand, den wir sehr lieb haben, uns verlässt, dann sind wir erst einmal verletzt. Das ist verständlich. Aber was ist es, das uns letztendlich und tatsächlich bindet? Ist es die Liebe oder ist es die Verletzung? Wenn es der Stich ist – im Stich gelassen worden zu sein-, dann kann es vielleicht sein, dass es dieser Wunde so geht wie allen Wunden, die man am Körper trägt: Sie zeihen alle Aufmerksamkeit auf sich. Und man muss erst den Schmerz dieser Wunde überwinden, um den ganzen restlichen Körper überhaupt wahrnehmen zu können. Man muss einen Menschen finden, der sagt: Ich lege meine Hand in deine Wunde. Ich will den Schmerz lindern. Erst dann erwacht die Liebe wieder neu. Wem können Sie erzählen, wie Sie verletzt worden sind?


Das unsichtbare Gummiband

Wir Menschen haben mit Brieftauben etwas gemeinsam. Brieftauben, so weiß man schon von alters her, finden den Weg nach Hause immer wieder zurück. Es ist, als ob eine Gummischnur an ihnen befestigt wäre, die sie immer wieder zurück nach Hause zöge. Sie können auch solch ein unsichtbares Gummiband spüren. Es fühlt sich an wie eine geheimnisvolle Schnur, die immer wieder in eine bestimmte Richtung zieht. Das tröstet Sie immer dann am stärksten, wenn Sie sich ganz einsam fühlen, dann zieht so ein Gummiband Sie ganz sanft nach Hause. Wenn man Angst hat, dann bedeutet es: Alles wird wieder gut!


AMEN


Vater, erbarme dich!

Hunderte von bis an die Zähne bewaffneten Männer ziehen Tag für Tag irgendwo in der Welt gegen irgendwen in den Krieg. Ich verstehe das nicht. Vater der Welt, erbarme dich! Tausende sind schon gestorben, täglich werden es mehr. Ich bete. Und manchmal schleicht sich zwischen das Beten auch eine Frage, die Sie vielleicht von sich auch kennen. Wie kann Gott das nur zulassen? Und mein Kinderglaube träumt davon, dass der Vater der Welt endlich dazwischen fährt und die Bösen bestraft und die Guten errettet. Aber so ist er eben nicht. Er greift nicht ein. Heute nicht mehr. Einmal hat er das gemacht. Als er die Arche Noah in die Fluten schickte. Was dabei herauskam, das wissen Sie ja. Auch das Böse überlebte. Seitdem greift der Vater im Himmel nicht mehr ein. Vielleicht gibt es uns aber noch manchmal ein Zeichen, das wir selbst entdecken können. Passen Sie gut auf sich auf!


Vom Erwachsenwerden

Auf seiner Reise vom Kindsein ins Erwachsenenleben muss wohl jeder etwas nachholen, ws die ganze Menschheit in Jahrtausenden Menschheitsgeschichte erst mühsam hat lernen müssen. Ich meine zum Beispiel die Verwandlung von Hass in Vergebung. Einem Kind wird es ja nicht in die Wiege gelegt, dass es von Anfang an schon gerne alles vergibt - erst mal will es seiner Wut freien Lauf lassen. Rache! heißt es, wenn einer uns ein Spielzeug wegnimmt. Doch mit der Zeit sind wir zärtlicher, ruhiger und bedächtiger geworden. Dann merken wir irgendwann, dass Rachegefühle auch nachlassen können. Ich weiß nicht, wie weit Sie auf der Lebensreise gekommen sind. Sind Sie noch immer im Stadium vorchristlicher Rechtsordnung: Auge um Auge, Zahn um Zahn? Viele Tausende von Jahren an Menschheitsgeschichte hat es gekostet, bis einer kam und sagte: "Wenn die einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch noch die linke hin." Den Schmerz auszuhalten und nicht die Spirale der Rache fortzusetzen, fordert eine enorme Kraft, die man aufbringen muss. Am Ende steht die Vergebung. Denn nur so werden Familien wieder vereint - und Kriege beendet. Sind Sie ein bisschen nachdenklich geworden?


Kinder sind ein Geschenk des Himmels!

Hiob hatte seine Frau und seine Kinder verloren. Und wenn Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn zu Grabe tragen mussten, dann kennen Sie vielleicht ähnliche Gedanken und Gefühle, wie Hiob sie hatte. Dieselbe Wut, denselben Schrei, derselbe Schmerz. Und da ist vielleicht auch derselbe stumme Himmel. Alles, was der fromme Hiob daraus lernte, war, dass kein Mensch auf dieser Welt ein Recht darauf hat, Kinder zu bekommen, mit seiner Familie zu leben oder glücklich zu sein. Kinder und Glück kann man nicht verdienen. Aber genauso wenig, wie man sie verdienen kann, hat man den eigenen Tod verdient. Kinder bleiben ein Geschenk des Himmels. Ob man das nun gut findet oder nicht. Jeder Gedanke, der einem weismachen will, man habe seine Kinder verdient und sie gehörten einem deshalb selbst, der führt in die Irre und vielleicht sogar zum Irresein oder ins Irrenhaus. Passen Sie gut auf sich auf!


Wir halten mehr aus, als wir glauben!

Wenn Sie zurückdenken an Ihre letzte Woche: Was haben Sie da erlebt? Ist Ihnen etwas passiert, bei dem Sie das Gefühl hatten: "Das halte ich nicht aus!"? Es gibt viele solcher Erlebnisse, bei denen man denkt: "Das kann ich gar nicht verarbeiten." Der eine bricht sich ein Bein und kann nicht damit umgehen. Die andere wird aus dem Haus geworfen und kann nicht damit umgehen. Und dem dritten versinkt das Haus in den Fluten. Das Leben ist eben wirklich kein Rosengarten. Wenn Ihnen so etwas passiert, versuchen Sie, es Ihrer Mutter nachzumachen: "Was kommt, das wird gewickelt." Und wenn Sie dabei Hilfe brauchen, dann lassen Sie sich unterstützen. Passen Sie gut auf sich auf!


Die Wärme der Kerzen

Ich will Ihnen eine Geschichte erzählen: Vor einiger Zeit war ich zu Gast in einer uralten Kirche. Hunderte von Menschen waren gekommen. Die Bankreihen waren gefüllt wie sonst wohl nur an Weihnachten. Menschen, die noch nie oder schon lange nicht mehr in dieses alte Gemäuer gekommen waren. Wer sollte sich hier schon heimisch fühlen? An der Decke hing ein Kerzenkronleuchter. Dessen Kerzen waren schon lange nicht mehr angezündet worden. Und als die Zeit des Verabschiedens kam, spürte ich, dass es gut wäre, den Menschen dort in dem kleinen Ort ein Zeichen da zu lassen. So bat ich den Messner darum, die Kerzen anzuzünden. Er entzündete Kerze um Kerze unter dem ermutigenden Applaus der Menschen. Als alle Kerzen leuchteten, schalteten wir alle elektrischen Lampen aus. Was für ein Moment! Das Licht der Kerzen brachte Wärme in das alte Gemäuer. Die Kirche konnte wieder zur Heimat werden. Ohne Wärme keine Heimat! Wir spürten die Wärme im Glanz dieser Kerzen. Schauen Sie mal nach, wie viele Kerzen Sie heute entzünden müssen, um sich heimisch zu fühlen – ob in der Kirche oder zu Hause oder in Ihnen selbst.


AMEN

Für eine halbe Stunde weg


Es gibt Tage, an denen einem alles zu viel ist. Vielleicht war heute so einer, und Sie kennen auch solche Gedanken: "Ich würde am liebsten alles hinschmeißen und ein neues Leben anfangen." Und dann träumt man sich in Gedanken nach Kanada oder auf einen Bananenfrachter, der von Hamburg aus mit unbekanntem Ziel in See sticht. Ich wünsche mich dann manchmal in ein kleines Häuschen auf Mallorca, irgendwo fernab von allen anderen, dorthin, wo mich keiner mehr findet. Aber dann fallen mir meine Kinder ein, meine Familie, meine Freunde. Denn dann, wenn man sich ganz weit weg sehnt, fallen einem plötzlich die Bindungen ein, die einen hier halten. Und man packt seinen Koffer in Gedanken auch wieder aus. Aber wissen Sie was: Geben Sie Ihrem Wunsch doch ruhig einmal nach. Manchmal reicht es schon, eine halbe Stunde zu verschwinden. Und dann ist man einfach wieder da. Probieren Sie es aus - morgen - und passen Sie gut auf sich auf.



Den Himmel um Verzeihung bitten


Im Gefängnis habe ich Männer besucht, die alle schwere oder minderschwere Straftaten begangen hatten. Aber es sind ja nicht nur diese Männer, die etwas Unrechtes getan haben. Wenn wir nachdenken, fällt doch fast jedem von uns etwas ein, das nicht ganz richtig war. Vielleicht denken ja auch Sie gerade über eine Schuld nach, die Sie auf sich geladen haben, vor kürzerer oder vor längerer Zeit. Menschen kommen zu mir und erzählen mir, wie schlecht sie sich fühlen, weil sie einen großen Fehler gemacht haben. Die Schuld drückt auf Verstand und Schultern. Manchmal schlage ich dann vor, mit dem eigenen Körper nachzuspielen, was belastet. Sich hineinzuknien, klein zu machen und die schwere Tat nachzuempfinden. Es kommt darauf an zu spüren, wie klein und hilflos man sich fühlt. Und dann reden Sie über die Tat und bitten den Himmel um Verzeihung. Machen Sie mit dem, der Sie drückt und verfolgt, einen Vertrag. Sagen Sie ihm, was Sie zu tun bereit sind, um sich zu versöhnen. Wer ein anderes Leben zerstört hat, der muss wahrscheinlich etwas tun, was Leben schützt und was dem Leben dient. Und wenn Sie das schaffen, dann sind Sie der Vergebung ein ganzes Stück näher.

Ein guter Mensch

Was ist ein guter Mensch? Auf diese uralte Frage soll einmal der fromme deutsche Mystiker Meister Eckehart geantwortet haben: Ein guter Mensch ist ein Mensch, der Gutes über andere redet. Und wenn Sie jetzt ganz spontan antworten: Der Mann hat recht, dann ahne ich, dass Sie auch bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben - dass man böse und gemein hinter Ihrem Rücken über Sie geredet hat. Aber was können wir tun? Zunächst einmal hilft es schon, nur den Mund zu halten, wenn wieder einmal schlecht über andere Menschen geredet , getratscht oder hergezogen wird. Allein Ihr Schweigen wird für die anderen schon auffällig genug sein. Und in dieses Schweigen hinein könnte Ihnen das alte Wort von Eckehart einfallen: Ein guter Mensch ist nur jemand, der gut über andere redet! Erst, wenn Sie mit diesem Satz einig geworden sind, sollten Sie anfangen zu sprechen. Und Sie werden erstaunt sein, denn Sie werden plötzlich ein völlig neuer Mensch. Ein Weg noch mit auf den Übungsweg: Haben Sie keine Sorge, dass Ihnen nichts Gutes über andere Menschen einfällt. Fangen Sie sofort damit an!

Fragen Sie Ihr Herz!

Müssen Sie gerade etwas Wichtiges für sich entscheiden? Eigentlich kommt man in solche Situationen ja andauernd. Morgens schon: „Stehe ich auf oder bleibe ich im Bett liegen?“ Und am Abend: “Gehe ich zu Bett oder bleibe ich noch wach?“ Aber auch die anderen großen Fragen: „Ziehe ich um, wechsle ich den Arbeitsplatz, ist mein neuer Freund der Richtige für mich?“ Es gibt Situationen im Leben, da hat man den Eindruck, wie auch immer man sich jetzt entscheidet, es ist auf jeden Fall falsch. Ihr Kopf, den Sie fragen, hat auf alles eine kluge Antwort. Eine Antwort für dieses und jenes. Wenn es so ist, dass Sie Ihr Kopf dann ganz verwirrt, dann fragen Sie doch einfach ein anderes Organ. Es ist auch in Ihnen drin. Sie müssen Ihr Herz fragen! Wenn der Kopf es mal wieder allen anderen recht machen will, dann fragen Sie Ihr Herz. Lassen Sie Ihr Herz sprechen. Es schlägt nur für Sie. Passen Sie gut auf sich auf!

Der Wert der Gemeinschaft

Wer kein Geld in der Tasche hat, muss sich nach anderen Werten umschauen. Werte, sichtbare oder unsichtbare, die ihm das Überleben sichern helfen. Ohne irgendwelche Werte geht gar nichts! Doch der Wert, der einem am meisten Geld spart, ist jede Form von Gemeinschaft.
Gemeinschaft ist der neue Wert. Wer Geld sparen will, um zur Arbeit zu kommen, bildet eine Fahrgemeinschaft. Wer kein Geld für einen Kindergartenplatz hat, gründet eine Kinderbetreuungsgruppe. Wer kein Geld für eine Alarmanlage hat, feiert ein Hausflurfest oder ein Nachbarschaftsfest. Das ist gut gegen Diebe. Man passt gegenseitig auf. Wer kein Geld für die Bahn hat, fährt zum Gruppentarif. Wer kein Geld für den Kauf eines elektronischen Geräts hat, tut sich mit anderen im Internet zusammen und drückt den Preis. Ich könnte hier mit Beispielen endlos fortfahren.
Die neue Währung, die wirklich etwas bringt, ist die Gemeinschaft. Sie entsteht immer automatisch, wenn das Geld knapp wird. Die sparsamste Gemeinschaft überhaupt ist eine Familie. Die einzelnen Mitglieder teilen sich sogar das Badezimmer und den Hund. Und am Ende gewinnt man in einer Familiengemeinschaft sogar ein paar Lebensjahre hinzu. Amerikanische Untersuchungen beweisen nämlich, dass der Mensch, der möglichst viel teilt und ein intensives Gemeinschaftsleben auf allen gesellschaftlichen Ebenen führt, älter wird als jeder Single. Wer teilt, lebt also nicht nur billiger, er lebt auch länger!
Die Krise, in die uns die Wirtschaft geführt hat, weil wir ihr blind wie einem religiösen Führer getraut haben, führt uns zwar in die wirtschaftliche Wüste. Aber in ihr entdecken wir, allein gelassen von den selbst ernannten Wirtschaftsführern, auch die Werte, die das Leben nicht nur billiger und länger machen, sondern auch lebenswerter. Und unter den Wohnungsschildern der Yuppies und ehemals doppelt verdienenden Pärchen, den "DINKS" (double income, no kids) liest man auf einmal ein Schild: "Vor einem Singleleben warnen der Pastor und die Gesundheitsministerin!"

AMEN

Zu Ostern ein Fest auf dem Friedhof? Halleluja!

Der Frühling kommt und wird uns knacken! Denn ob sich ein Mensch mit seiner harten Schale öffnet, ist schließlich immer eine Frage der Atmosphäre. Kein Mensch mit harten Schalen ist von außen knackbar. Wo dies versucht wird, bleiben immer nur Wunden zurück. Das weiß jede Kokosnuss, die vor Monaten auf den sandigen Boden gefallen ist, als wäre sie tot für immer. Aber jetzt, im Frühling, da regt sich was in ihr. Und das weiß auch jedes Weizenkorn, das nach viertausend Jahren als Grabbeilage in einer Pyramide gefunden wird und keimt, als der Frühling endlich da und spürbar war. Das Leben kommt zurück. Niemand ist wirklich tot. Niemand stirbt für immer.

Das kann ich ja verstehen, dass wir im November so traurig unsere Verstorbenen der kalten Erde überlassen: Da stehen wir an den Gräbern, weinen und haben das Gefühl, dass wir die, die wir lieben, zurücklassen müssen. Und wir gehen weiter. Aber warum gehen wir nicht spätestens am Ostertag im Frühling wieder auf denselben Friedhof zurück und feiern die Auferstehung unserer Verstorbenen von den Toten? Sie sind doch nicht wirklich tot oder doch? Sie sind doch nur unsichtbar! Unser Herz nimmt sie doch noch wahr, oder? Wir müssen uns doch wieder begegnen! Irgendwo, irgendwie, irgendwann! Wir können uns doch nicht einfach aufgeben. Wir gehören doch zusammen!

Wir könnten doch in diesem Jahr zu Ostern mit Sack und Pack und Picknickkorb und Osterei auf die Friedhöfe ziehen und für sie singen. Wir könnten doch tanzen, dass wir alle auferstehen! In der Stadt würde man den Kopf schütteln und fragen, was das für ein Fest auf dem Friedhof sei. Halleluja - warum nicht? Warum singt bei uns niemand? Warum tanzt in diesen Tagen keiner über den Gräbern? Das kann ich nicht verstehen. Es ist nicht christlich! ist uns vielleicht die Erfahrung abhanden gekommen, dass wir alle auferstehen? Weiß denn keiner mehr ein Lied davon zu singen, dass es für ein mutiges Menschenleben gar nicht reicht, nur einmal geboren zu werden? Erinnert sich niemand mehr der Worte Jesu, dass jedermann mitten im Leben immer wieder sterben und neu geboren werden muss, um lebendig zu bleiben? Es liegt doch nicht nur in der Natur des Menschen zu sterben. Das ist doch nur die halbe Wahrheit. Es liegt doch auch in seiner Natur, aufzuerstehen. Immer wieder! Und ein letztes Mal auch ganz! Das ist die ganze Wahrheit.

AMEN

 

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