

Dietrich Mattausch, Schauspieler
(Foto: Gerhard Kassner)

Pfarrer Peter Krogull aus der evangelischen Kirchengemeinde
Alt-Duisburg ist ein Pfarrer aus Überzeugung: „Eigentlich war mein Lebensweg
schon vorgezeichnet, als ich noch Jugendlicher war. Denn selbst hatte ich einen
ganz tollen Pfarrer, dessen Umgang mit den Menschen in der Gemeinde mich tief
beeindruckte. Bei ihm bekam ich schon sehr früh mit, wie vielfältig dieser
Beruf ist. Zwar gibt es Momente, in denen man fürchtet, an seine eigenen
Grenzen zu stoßen, aber gleichzeitig trägt einen ja immer die Zuversicht und
das Vertrauen, was man aus dem Glauben heraus hat“, so beschreibt er seine
Entscheidung für den Beruf. Im Herzen des Ruhrgebietes, da wo die Menschen für
eine klare Sprache ohne Schnörkel bekannt sind, betreut er die Gemeinde
Alt-Duisburg. „Wie das oft so ist in Großstädten wohnen hier Arm und Reich manchmal
Tür an Tür. Wir haben Gemeindemitglieder, denen es sehr gut geht und wir haben
Familien, bei denen im Leben scheinbar alles schief läuft. Was mich dabei aber
sehr freut, ist der Zusammenhalt. Es gibt hier auch Privatpersonen, die etwas
für andere spenden, so dass ich immer wieder mal einzelnen Familien etwas
zustecken kann.“ Auch mit den Geldern aus der Diakoniekasse konnte Pfarre
Krogull schon des öfteren einzelne Notlagen lindern. Natürlich hat diese Hilfe „auf
dem kleinen Dienstweg“ aber Grenzen. „In der Regel kommt ja durch eine einzelne
Not noch eine weitere hinzu und manchmal erscheint das Endergebnis dem Betroffenen
wie eine totale Katastrophe: so war es bei einer jungen Frau, die alleine ihren
damals etwa 8 Jahre alten Jungen großzog und dann an Krebs erkrankte. Als sie
sich an mich wandte, merkte ich sofort, dass es ihr ungeheuer schwer fiel, um
Hilfe zu bitten. Doch durch die Krankheit war sie arbeitsunfähig und hatte zu
all‘ den Sorgen, die eine schwerkranke Mutter umtreiben auch noch die
finanziellen Nöte. Ihre Mutter wiederum war eine langjährige Fliege-Zuschauerin
und machte ihr Mut, sich mit meiner Unterstützung an die Stiftung zu wenden.
Mir war ziemlich schnell klar, dass wir hier beistehen wollen. Ich kannte ja
auch den Sohn recht gut aus meinen Grundschulgottesdiensten, bei denen er mir
immer recht still aber sehr, sehr tapfer vorkam.“ Nachdem der Stiftungsrat
seinen Antrag positiv beschieden hatte, rief Pfarrer Krogull seinen Gemeindevorstand
zusammen. „Mir war es wichtig, gemeinsam mit den Presbytern über die Verwendung
der insgesamt 10.000 Euro zu entscheiden. Wir beschlossen schließlich, den
Löwenanteil – über die Hälfte des Geldes- für diese kranke Mutter zu verwenden.
Sie brauchte unter anderem für sich und den Jungen neue Betten. Beide schliefen
auf Matratzen und speziell die des Jungen war im letzten Jahr einfach zu klein
geworden. Sie selbst brauchte ein medizinisches Bett, die Krankenkasse zahlte
aber nur zum Teil dafür. Immer wieder sehen wir, dass es diese kleinen aber
entscheidenden Beträge sind, die für einen Betroffenen so viel ausmachen. Von
ihrer Sozialhilfe blieb einfach nichts übrig, was sie hätte ansparen können um
diesen Eigenanteil zu tragen. Außerdem ermöglichten wir es Mutter und Sohn zum
allerersten Mal
in ihrem Leben in den Urlaub zu fahren. Den Rest des Geldes
teilten wir gleichmäßig auf und baten die Leiterinnen unserer vier
Kindergärten, jeweils vier Familien zu benennen, bei denen ihnen eine Notlage
aufgefallen war. Viele Leute schämen sich zwar für ihre Armut, sind aber
trotzdem zu stolz, um Hilfe zu bitten. Wenn man sieht, dass ein Kind täglich
mit den gleichen Sachen in den Kindergarten kommt, dann spricht das natürlich
Bände. Wir konnten insgesamt 16 Familien kurz vor Weihnachten 2010 mit einer
Zuwendung unterstützen. Einige erzählten mir später, das sei ihnen vorgekommen
wie ein ‚Geschenk des Himmels‘“, erinnert sich Krogull. Und das scheint überhaupt neben dem
materiellen Wert ganz entscheidend zu sein: „Die Menschen spüren in so einem
Moment, dass sie nicht von allen anderen alleine gelassen werden. Es ist ein
Zeichen dafür, dass unsere Gesellschaft nicht so kalt ist, wie das manchmal
behauptet wird. Im Gegenteil, es gibt noch Menschen, die sich um die anderen
kümmern.“
"Wer wirklich etwas für sich tun will, tue etwas für andere. Geben gibt. Andere glücklich zu machen, ist der sicherste Weg zum eigenen Glück."
(Eckart von Hirschhausen in der Zeitschrift Fliege)
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